Franz

Franz ist ein ganz lieber Mensch, freundlich, zuvorkommend, sympathisch und immer hilfsbereit.
Franz ist mein Zimmernachbar, und hat sich bei mir auch als solcher an meinem ersten Tag in der Rehaklinik vorgestellt.

So ist es auch kein Wunder das er sich mir umgehend angeboten hat mir das Örtchen mit all seinen Besonderheiten zu zeigen, insbesondere sein bevorzugtes Café. Dem habe ich gerne zugestimmt und so sind wir gemeinsam ins Örtchen gefahren mit dem Bus. Wir mußten fahren, Franz kann noch nicht so weit laufen,weil er wurde erst vor 10 Tagen am Herzen operiert, 2 Beipässe hat er bekommen.

Für mich wurde das dann eine Reise in meine eigene Vergangenheit, schmerzhaft wurde ich an viele Dinge erinnert deretwegen ich hier bin und deretwegen ich vor Jahren Krank wurde.
Franz hat mir das wieder ins Gedächtniss zurückgebracht was ich wohl einige Jahre verdrängt hatte.
Die Blicke der Menschen die dich anstarren.
Einige Menschen halten sogar inne um dich anzuschauen, wieder andere gucken dich an und lachen unverholen, vor allem alte Menschen drehen sich frontal in deine Richtung um dich besser betrachten zu können und gerne schütteln sie dann dann fassungsslos den Kopf. Ganz hart wird es bei Kindern, sie zeigen auf dich und fragen einfach so das du es selber hören kannst: “Mami, warum ist der Mann so dick?”

Es war ein sonderbares Gefühl das wieder zu erleben, es war auch ein sonderbares Gefühl zu sehen wie Franz diese Blicke ignoriert und es war genau so sonderbar zu wissen wie sehr sie weh tun und an seiner Seele fressen.

Franz ist krank, darum ist er in der Klink, Franz hat Probleme mit dem Herzen und wohl auch sonst viele andere Probleme, nicht nur körperliche. Um so schwerer wiegt es wenn Menschen aus ihm einen Elfantenmenschen machen, so tun als wär er ein Aussetziger. Franz hat Familie, liebt seine Frau und Kind, sie sind es auch die ihn um sein Leben kämpfen lassen! Soweit ich einschätzen kann ist Franz ein guter Mensch und hat es nicht verdient das man ihn wegen seines Gewichtes zum Aussetzigen macht.

Franz hat mir mit den wenigen gemeinsamen Stunden eindrucksvoll gezeigt warum auch ich wieder in solch einer Klink bin, nämlich um ein für alle mal dafür zu sorgen das nie mehr jemand auf mich mit dem Finger zeigt! Ich hoffe ich bekomme das hin.

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